Ein Ausflug in das Berlin des Jahres 1969 mit Michael Wildenhain
DMichael Wildenhain nimmt uns in seinem Roman „Das Ende vom Lied“ mit in das Jahr 1969. In Berlin sucht ein dreizehnjähriger Junge seinen Weg. Geteilt ist nicht nur diese Stadt, geteilt sind auch die Empfindungen der Eltern – füreinander und gegenüber dem Sohn. Beide tragen an der Last ihrer Vergangenheit. Die Mutter ist noch schwer traumatisiert von Erlebnissen an der Weichsel während der Flucht aus dem Osten. Und der Vater hat nach seiner Rückkehr aus russischer Gefangenschaft noch nicht mit der nationalsozialistischen Ära abgeschlossen. Außerhalb der Wohnung ist es für den im Roman namenlos bleibenden Jungen nicht einfacher. Ungewollt wird er plötzlich in den Strudel rivalisierender Jugendbanden gezogen. Die Lage ist so kompliziert, dass ein längerer Aufenthalt in Mannheim als Rettung erscheint. Der Luisenpark und die Kraftsportvereinigung 1884 Mannheim lösen nun das Straßenbahndepot und den Rudolph-Wilde-Park in Berlin-Schöneberg als Handlungsorte ab. Diese Entwicklung macht für uns die Lesung aus „Das Ende vom Lied“ natürlich besonders interessant.
Der Rückblick auf Berlin im Jahr 1969 ist heute meist mit einer Erinnerung an die Bilder der Studentenunruhen und wilde Straßenproteste verbunden. Das Panorama der Stadt, vor dem sich die Entwicklung des Ich-Erzählers und seiner Familie gestaltet, ist aber weit dichter gewebt. Es wird deutlich, wie nah diese Zeit noch am Kriegsende war, Ruinen prägen das Stadtbild. Gleichzeitig führt die Teilung der Stadt zu unzähligen Verwicklungen und Zerwürfnissen. Auch der Versuch, junge Menschen politisch in die richtige Richtung zu ziehen, darf kann nicht fehlen. Der Literaturkritiker und Moderator Denis Scheck war von dieser Schilderung der Hauptstadt so beeindruckt, dass er Michael Wildenhain schon zum Chronisten Berlins ernennen wollte.
Michael Wildenhain: „Das Ende vom Lied“
Montag, 22. Juni 2026, 18.00 Uhr, Alte Sternwarte Mannheim
Eintritt 8 Euro, Tickets im Vorverkauf bei Bücher Bender und an direkt an der Kasse bei der Veranstaltung.

